Bei seinem Auftritt mit Motion Man im Leipziger Club Distillery nutzte splash! Magazin Redakteur Benjamin „Benson“ Mächler die Chancen mit der US DJ- und Producer-Legende Kutmasta Kurt zu sprechen. Ein Gespräch mit dem Maskenmann über Aggro Berliner Rapper mit Maske und über die Faszination eines Kool Savas Auftritts auf dem Splash!
Hi Kurt. Du hast nun schon einige Plätze der Welt gesehen, aber dies ist dein erster Auftritt in Leipzig?
Kurt: Ja, mein erster Gig in Leipzig. Hübsche Stadt und coole Leute hier. Schön dass ich die Chance hatte hier aufzutreten.
Wie fandest Du den Abend?
Kurt: Die Tatsache dass relativ wenige Leute hier waren, wurde durch die Riesenenergie der Crowd wett gemacht! „Big Ups Leipzig!!!“
Ursprünglich kommst du ja aus dem mittleren Westen – Kansas um genau zu sagen. Ein Flecken der auf der Hip Hop Landkarte ziemlich grau ist. Unter welchen Umständen bist Du an die Westküste gekommen?
Kurt: Ich bin mit Kool Keith an die Westküste gezogen. Als wir unseren Vertrag mit Capitol Records 1994 unterzeichneten, hatten wir eine gemeinsame Wohnung in Beverly Hills. Nach einem halbem Jahr wurden wir jedoch aus der Wohnung geschmissen – sie glich einem Flüchtlingslager. Marc Live und seine Crew „Raw Breed“, TR Love und Menelik übernachteten alle im bei uns im Wohnzimmer.
Stimmt es, dass du Motion Man damals im Fitnesscenter kennen gelernt hast?
Kurt: Yeah, und ich hab eine Ader platzen lassen!
Und, noch fit?
Kurt: Nah, ich bin verdammt schmächtig geworden. Und die Steroide haben meinen Schwanz klein werden lassen…am Ende hat es mir eh nicht so viel gebracht, ich kann auch so ganz gut zuhauen.
Überrascht hat mich vor 3 Jahren dein Feature mit Kool Savas. Wie kam es dazu?
Kurt: Bei einem DJ-Gig 2004 in Berlin hat mich der dortige Promoter Savas vorgestellt. Hab vorher kaum was von Ihm gehört, ich hörte er sei der Kool Keith von Deutschland oder so. Zudem kannte ich den Track von Ihm und The High & Mighty („That Smut“ – anm. der Verf.) Folglich wurde mein Album „Redneck Olympics“ auf seinem Label Optik veröffentlicht, darauf hatten wir auch ein paar exklusive Tracks mit Rappern aus seinem Camp. Mir war bis dato nicht bewusst wie groß er in Deutschland ist, bis ich schließlich 20.000 Leute auf dem splash! seine Tracks mitrappen hörte. Er ist ein cooler, bodenständiger Typ, daher hat mir die Zusammenarbeit mit Ihm viel Spaß gemacht. Ich hab mit Rappern zusammen gearbeitet, die sich selbst einfach viel zu ernst nehmen. Wir müssen alle täglich kacken, niemand ist davon ausgenommen. Mir ist egal ob du der Papst oder sonst wer bist. Der Papst verrichtet auch sein Geschäft und es stinkt wahrscheinlich genauso wie bei uns allen.
Habt Ihr noch Kontakt und besteht hier erneut die Möglichkeit der Zusammenarbeit?
Kurt: Hab gehört, dass er mit diesem hübschen Mädchen (leider ist mir Ihr Name entfallen) zusammen ist und dass Sie nach Heidelberg gezogen sind. Sie ist echt cool und ich freu mich für Ihn. Aber Nein – Ich hab Ihn schon Jahrelang nicht mehr gesprochen. „Wassup Savas?!“
Kennst Du neben Savas noch andere deutsche Hip-Hop Künstler?
Kurt: Dendemann und Mirko Machine habe ich bereits kennen gelernt. Ich hab auch von diesen Aggro Berlin Jungs gehört. Einer von denen hat mich mal über myspace angetextet und mir erzählt, daß er auch eine Maske trägt und wir zusammen mal was starten sollten…
Du produzierst nun schon seit fast 20 Jahren und zeichnest dich durch einen gewissen Trademark Sound aus. Gibt es ein favourite Producer-Tool?
Kurt: Das Geheimnis ist der „gut-bucket“ (einsaitiges handgemachtes Blues Instrument, an dessen Ende sich meist ein alter Wäscheimer befindet – Anm. d. Verf.) und sein tiefer Bass.
Wer waren oder sind deine großen Vorbilder?
Kurt: Mantronik, The Bombsquad, The 45 King, Marley Marl, Ced Gee und Paul C (R.I.P.). Ich mag auch viele Leute die später kamen, aber diese Ära hatte den größten Einfluss auf mich.
Mit deinen Produktionen Ende der 90’er hast du heute anerkannten Größen wie Rasco und Planet Asia („Take It Back Home“) oder Dilated Peoples („Work The Angels“) enorm geholfen bekannt zu werden. Denkst Du manchmal, dass die Produzenten im Allgemeinen etwas unter Wert verkauft werden?
Kurt: Yeah, bei vielen Produzenten ist es schon so, aber letztlich liegt es auch an Ihnen selbst sich zu respektieren und Wert zu schätzen. Ich glaube ich habe auch viele Rapper verunsichert, da ich nicht zu diesen ruhigen, nerdigen Typen gehörte mit denen sie sonst zusammen arbeiteten. Ich hätte Planet Asia und seinen Skhool Yard Homies direkt ins Gesicht gesagt, dass ich keinen Fick gebe. Ich bin kein Punk- Ass-White-Boy, ich bin ein Crazy-Ass-Redneck-Mutha-Fuck aus Kansas-Tucky Beotches!!!
Ziehst du dir auch aktuelle Mainstream RapVeröffentlichungen rein und gibt’s es aktuell einen Künstler den Du sehr schätzt und mit dem Du gerne mal einen Track machen würdest?
Kurt: Ich verfolge Sie schon und mag auch einige, aber ehrlich gesagt bau ich mir da keine Traumschlösser. Mit den Künstlern mit denen ich zusammen arbeiten wollte, hab ich das getan. Sollte sich noch was Neues ergeben – cool, falls nicht, werde ich trotzdem ruhig weiter schlafen. Ich mein, ich hab mit verschiedenen Musikern von Linkin Park bis hin zu Indie- Rappern aus Tschechien zusammen gearbeitet, ich bin stolz auf meine Karriere. Und sehr dankbar, schließlich hatten nicht allzu viele Truck fahrende Rednecks die Chancen die ich hatte.
Ob in den USA oder hier in Deutschland – Hip-Hop ist zurzeit nur noch Street und Gangster. Es scheint, als sei es verboten Spaß zu haben. Mit Albumtiteln wie „Redneck Olympics“ oder deiner Wrestlingmaske hast du leicht den Status des Paradiesvogels. Dein Versuch ein Gegengewicht herzustellen? Bloße Ironie oder einfach ein Verweis an die unverkrampften OldSchool Zeiten?
Kurt: Yeah, die Wrestlingmaske geht auf das Masters of Illusions Album (zusammen mit Motion Man und Kool Keith, Anm. der Verf.) zurück, aber Ja, zu viele Leute nehmen die Musik zu ernst. Es ist schließlich Entertainment, diese Mutha-Fucka’s sollen sich mal entspannen und sich locker machen. Es gibt Platz für Jeden und jeden Style. Die einzige Sache die mich wirklich stört ist, wenn nur ein paar Stile Beachtung finden –„ that shit is wack!“
Morgen seid Ihr zusammen mit Kool Keith als Masters of Illusions in Berlin. Gibt es Pläne auch wieder ein gemeinsames Album aufzunehmen?
Kurt: Vielleicht, aber um ehrlich zu sein, kein Schwanz kauft sich doch heute noch Musik. Es geht nicht darum was die Leute wollen. Sollten wir uns wirklich noch einmal zusammen setzen, dann machen wir die Platte für uns, nicht für diesen Haufen von Leuten die unsere Mucke downloaden und dann die Message Boards voll-posten. An alle die sich ein neues Masters of Illusions Album wünschen…hey, wenn Ihr es echt wollt, dann kauft euch unseren Scheiß. Startet einen Spendenmarathon wie einst Jerry Lewis und schickt uns die Kohle. Keith möchte oft ins Studio, aber wir haben alle unsere Rechnungen zu zahlen, wir sind nicht large wie Nelly oder sonst wer – wir sind einfache Arbeiter. Scheiße man, Motion Man muss bei FedEx arbeiten. An alle Supporter, kauft sein aktuelles „Pablito’s Way“ Album. Sollten wir 30.000 Einheiten verkaufen (was es eigentlich muss) können wir auch über ein neues Masters of Illusions Album sprechen.
Was gibt’s in Zukunft von Dir und deinem Label “Threshold recordings“ zu erwarten?
Kurt: Die nächsten beiden Releases sind Tomc3 und Prince Po’s neues Album „Saga of the Simian Samurai“. Es kommt im November zusammen mit den „Sex Style Unreleased Archives“! Achja, und Kool Keith’s „Dr.Doom 2“ ist so gut wie fertig – jedoch noch ohne offizielles Release-Date.
Hört sich gut an, ich bin gespannt. Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg weiterhin!
Kurt: Danke Mann, auch dir viel Glück. Ich hoffe ich kann bald wieder zurück in Leipzig sein. Big Up auch an Aaron und Martin von der Distillery für’s Booking!




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