Hallo,
bevor ich loslegen darf, wollen die Verantwortlichen hier noch eine Warnung vorausschicken. Was für Weicheier. Ich hab das zum besseren Verständnis mal kommentiert. Ihr könnt aber auch gleich nach unten springen und was Vernünftiges lesen – zum Splash, dieser ach so “realen” Schlechtwetterveranstaltung in der DDR.
„Hallo HipHop,
ehrlich gesagt wissen wir nicht, ob wir uns wirklich darüber freuen können, dass Horst Hasser bei uns bloggt. (Das klang neulich aber anders. „Abspritzen“ ist noch untertrieben für die Reaktion in dieser Schleimer-Mail.) Aber wir haben zumindest unser Gewissen erleichtert, denn mit Horst hält ein Stück Satire (lol), Pressefreiheit (rofl) und schlechter Geschmack (wtf?!?) bei uns Einzug.
Die satirischen Beiträge dieser multiplen Persönlichkeit (Betonung auf Persönlichkeit) gehen dahin, wo es vor allem uns weh tut (no homo). Dinge, die wir mögen, hasst Horst aus Prinzip. Künstler, die wir schätzen, kann Horst nicht abhaben. Das splash! und unser Magazin entsprechen nur selten Horsts Geschmack. (Ihr habt halt keinen.) Unsere Meinung vertritt er daher auch nur in seltenen Fällen.
Seine Beiträge sind zwar bissig, aber niemals ernst gemeint. Um zu gewährleisten, dass Horst seine freie Meinung äußern kann, wird er aus eigenem Antrieb heraus, keinesfalls in irgendeiner Art und Weise kontrolliert oder gar zensiert, seine Beiträge veröffentlichen. Für die gilt:
Die Aussagen und sämtliche Personen dieser Darstellung sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind rein zufällig. (Klar. Als ich 1997 beim Versuch erwischt wurde, einen Zigarettenautomaten zu sprengen, stand unter dem Zeitungsartikel dazu: „Name von der Redaktion geeändert.“ Überschrift: „Intensivtäter Horst H.: Nach Brandstiftung im Krankenhaus“ – noch Fragen?)
Die einzige Regel, der sich Horst unterwerfen muss: keine Namen! (Wir werden sehen, sagen wir mal so.) Wir wünschen gute Unterhaltung und eine offene Diskussion. (Als ob ihr Pfeifen dazu in der Lage wärt…)“
Ich verstehe das ja: Die müssen so einen Disclaimer einbauen. Weil sie Schiss haben, dass ihnen irgendwelche Rap-“Persönlichkeiten“ aufs Dach steigen und nicht mehr auf dem Splash spielen wollen. Aber mal ehrlich: So broke wie das Game gerade ist, sind diese Typen doch auf solche Bookings angewiesen, nein?
Horst
Hallo,
mein Name ist Horst. HipHop halte ich grundsätzlich für eine gute Sache. Aber wie jedes soziale Betätigungsfeld ohne explizite Teilnahmebedingungen und empfindlich hohe Eingangshürden – Breitensport, Nationalsozialismus, Facebook – zieht auch HipHop hauptsächlich einen Schlag Menschen an, den sich die Evolution mit ihrem bemerkenswerten Sinn für Humor nicht verkneifen konnte: Spasten.
Das hätte mir zwar schon vor gut zehn Jahren auffallen können, als ich mich zum ersten Mal von Haßloch in die blühenden Landschaften aufmachte, um mein Aldi-Zelt in Riechweite der mobilen Scheißhäuser aufzustellen und mich drei Splash-Tage lang nicht zu duschen. Aber zum einen war ich damals dermaßen dauerstoned und grundfröhlich, dass mir sogar zotteliger Deutschreggae auf der kleinen Stage eine gewisse Begeisterung abnötigte. Und zum anderen herrschte damals noch ein ideologischer Zwang zum Optimismus und Supportertum, der mich nicht nur dazu veranlasste, selbst den wacksten Dorftrotteln einen Zehner für ihre hart reale 12-Inch in den weedheiseren Rachen zu werfen, sondern die Stimmung tatsächlich positiv beeinflusste und die Spastenschwemme im Nebel aus Rauch und Boombap verschwinden ließ. Vielleicht trübte aber auch die Tatsache, dass ich Nacht für Nacht eine gewisse Helga – kennt die vielleicht jemand? Heeelgaaa? – quer durch Zelte und Gebüsche rammelte, meine Wahrnehmung. Jedenfalls fand ich den Ausflug gelungen.
Grund genug, sich auch die nächsten Jahre wieder ins ostdeutsche Outback aufzumachen – aber die Chose veränderte sich zusehends: Nicht nur, dass eines Sonntags so ein vermaledeites Stück Scheiße von Förderschüler mein Zelt samt Drogen und Interrail-Ticket abfackelte und ich mir eine Heimfahrt in einem Mietwagen voller freestylender Geistesgestörter erschnorren musste. Auch fand das Festival bald in einer Gegend statt, die nur dank ihrer Anmutung der Bronx in den Siebzigern HipHop-Gefühle aufkommen ließ: Rund um das Festival erstreckte sich eine sibirische Brache der Perspektivlosigkeit, spärlich besiedelt von graugesichtigen „1984“-Darstellern. Klar, dass die Sonne keinen Bock hat, dort ihrer Arbeit nachzugehen.
Dass mir die gebuchten Acts über die Jahre zunehmend am Arsch vorbei gingen, hat natürlich vor allem mit meinen musikalischen Präferenzen zu tun: So richtigen HipHop finde ich ja gut. Aber dieses pseudo-eklektische Electro-Gejuckel mit Schlitzbrille, das urplötzlich die Bühnen bevölkerte und die vormalige Baggy-Jugend dazu bewog, sich als hässliche Mädchen zu verkleiden, bleibt mir ein Rätsel. Genau wie die Tatsache, dass solcher Schrott auf den Seiten dieses Magazins eine HTML-Prostatamassage sondergleichen erfährt – bei mir wird es so etwas jedenfalls nicht geben.
Ich werde übrigens auch nächstes Jahr wieder aufs Splash fahren. Nicht wegen Helga. Die dürfte nämlich mittlerweile über 30 und angesichts ihres damaligen Lebensstils eine völlig abgewrackte Pep-Schabracke sein. Aber irgendjemand muss ja den Spastenanteil senken.
Horst





Sehr geil! Das beste was ich hier je gelesen habe…….
Als im Jahr 2002 Talib Kweli Samstags Headliner war, und ich mir Savas als Einstimmung reinzog – dann aber entsetzt feststellen musste, dass nach dem letzten Song von KKS ungefähr die Hälfte der Leute den Zuschauerraum verließ – da wusste ich, was Horst Hasser damals nur erahnte! Danke für diesen Beitrag!
Hammer!
Horst Hasser 4 President!
Vorallem die abfällige Äusserung, über die effektive Entsorgung von Spasten, gefällt mir.
ha wie geil. muss echt gegen die tränen kämpfen die mir beim lachen aus den augen rollen wollen. das beschreibt echt an manchen stellen echt gute meine meinung und einstellung, aber so einfach lass ich mir das splash nicht entgehen.
gruß an alle splässsssh´ler und spläsh´schienen
Hallo, ist hier Rap.de ???
YEAH!!!!!! Herr Hasser, Sie haben mir den Tag gerettet.
Horst 4 Kemp!
richtig scheiße, ein satirischer sclectmacher, das hat ja bei zerberster.orgschon super geklappt.
Tut mir leid. Bei zerberster.org und rap.de haben sie mich nicht genommen.