V.A. – The Boogie [Review]

Sonnenbrille auf, in ein Paar Adidas “Decade Hi” geschlüpft, eine alte Jogginghose und ein gelbes Shirt übergezogen und ab gehts back in the 80’s. Schon die industriellen Drums, Synthi-Keys und -Bässe des Openers “Life’s A Dance” von Opolopo und Amalia, die wahrlich den Dance-Charakter prägt, katapultieren den Hörer direkt auf die Straßen Detroits oder Los Angeles aus einführenden Szenen alter Eddie-Murphy-Streifen, bevor man durch den Subbass-lastigen Funk der Chacho Brodas und der G-Funk ähnlichen Nummer von Spinnerty und John Robinson, vielleicht durch Releases auf ProjectMooncircle bekannt, im Handumdrehen glatt ein Jahrzehnt aufholt und sich in einem engen, dunklen Club oder mit heruntergelassenem Schiebedach im Stile von “Nuthin’ But A G Thang” durch die Hood rollen sieht. So blitzschnell wie auf der Straße die Waffe gezogen wird, wechselt man auf “The Boogie” das Subgenre.
Magic Hour“, “Computa Love” , “Aries” , “So Cruel (Sasac Remix)” und mit ein wenig Geduld auch “Mothership” können einen im Laufe des Hörens wieder in diese Szenerie versetzen, die futuristischen Elemente jedoch die Frage aufwerfen, ob man noch mit Gummi bereift ist oder bereits von Magneten getragen wird. Mit der Beretta auf der Brust könnte man mich wohl mit diesen Tracks erpressen.
Aber wie in jeder Epoche gibt es Genres, deren Anhänger sich untereinander nicht wirklich vertragen. “Sometimes“, “So Funky” und “Messages From The Stars” würden auch als instrumentale Begleitung eines schlechten Cyndi Lauper Popsongs eine gute Figur machen, zunehmendes Alter die Seele und den Funk aber auch hier erkennen lassen.
Der Titel “The Boogie” hört sich unweigerlich nach Tanzen an und man spürt förmlich das gespiegelte Licht einer Discokugel durch sein Gesicht kreisen. In moderneren Tanzlokalen kommen überwiegend nur noch Schwarzlicht und darauf reagierende Dekoration zum Einsatz. Für die Clubatmosphäre sorgen da die R’n’B- versprühenden “In every Way“, “Planet Sex” und “What I like” und fördern wohl einen Muskelfaserriss im gastrocnemius oder am spina iliaca, bevor einem der Banger “Take U Home” von Addiquit nach Hause trägt, obwohl die Party doch gerade erst begonnen hat.

TokyoDawn überzeugt mit der genreübergreifenden und abwechslungsreichen Selektion funklastiger Tracks, die groove-technisch nichts offen zu lassen scheint. Einziges Manko von TDR -Releases, vielleicht auch im Sinne der TDR-Fans, sind die immer wiederkehrenden Tracks. Blaktroniks’ “I’m A R.O.B.O.T.” kann ich allmählich nicht mehr hören, auch wenn es der x-te Remix ist. Auch kann ich mich mit dem recht einschläfernden “If Lovin’ U” und “It Can Get Ugly” nicht anfreunden und nutze die Pause um ein neues Getränk zu holen. Dank fortgeschrittener Technik kann man natürlich die unlovely Titel aus der Playlist streichen und das ganze Ding wirklich from dusk to TokyoDawn laufen lassen. Die Zukunft der Gegenwart ist die Vergangenheit. Es lebe der Funk.

Listen to V.A. – The Boogie

Kategorien: Review

Kommentare

Kommentare

Impressum