SAE Beat Fight 2011 [Kolumne]

Und da ist der Spaß auch schon wieder vorbei! Am vergangenen Samstag (28.01.2011) fand im Kulturzentrum HundertMeister in Duisburg der erste Beat Fight mit insgesamt 12 Produzenten aus Berlin, Dortmund, Essen, Hannover, Heilbronn, Köln, Leipzig und Wien statt. Am Nachmittag öffneten bereits die Türen und so fanden sich schon ab 16 Uhr erste Hip-Hop Fans zum Platten diggen, Small Talk und Begutachten der Robert Winter Fotoausstellung ein. Während sich die Besucher gegen 20 Uhr vor der Eingangstür stauten, liefen im Inneren noch die letzten Vorbereitungen und es gab ein  paar Klassiker zum Aufwärmen. Schon vor offiziellem Start des Battles war der Club ausverkauft. Ein gutes Zeichen. Gegen 21:15 eröffneten die Moderatoren Morlockk Dilemma, Maniac und Jaque Shure den Abend, stellten die Jury, bestehend aus Falk, Roe Beardie, Aphroe und Pure Doze, sowie die Battles der Vorrunde vor. Bereits im ersten Duell kam es zu einer handfesten Überraschung, denn die Jury entschied sich im Gegensatz zum Publikum für Fonty und gegen Suff Daddy, der als einer der Favoriten gehandelt wurde. Auch Dead Rabbit schied in der ersten Runde aus, so wählte die Jury erneut gegen das Publikum und ließ Kova aus Hannover in die nächste Runde einziehen. Der Mann mit dem weitesten Anreiseweg, Brenk aus Wien, traf in der Vorrunde auf 7Inch aus Berlin, und konnte sich an diesem Abend nicht gegen dessen Beats durchsetzen. Im vierten Battle konnte sich V.Raeter von SpokenView souverän mit 5:0 Stimmen gegen JuSoul aus Essen durchsetzen und zog somit auch in die nächste Runde ein. Das einzige Produzenten Duo Inbeatween (Dj D-Fekt & Mr. Beef) aus Leipzig traf im Vorentscheid auf The Beep aus Köln, und überraschte das Publikum und die Jury mit ihrem Sound und einer Beatboxeinlage. In der letzten Begegnung traf The Gunna auf Dexter, der am Freitag sein komplettes Setup, bestehend aus Serato, Notebook und Festplatte, in Heilbronn vergessen hatte. Dank fleißigen Helfern in der Heimat und dem World Wide Web konnte Dexter mit dem Equipment von seinem MPM – Kollegen Suff Daddy doch noch antreten, und sich auch gegen The Gunna durchsetzen.

Direkt im Anschluss zeigte Dexter dem Publikum seine MC-Qualitäten und performte mit Maniac und Rufflow einige Songs vom „Raw Shit“ Album. In der zweiten Runde standen sich somit Fonty vs. Kova, Dj V.Raeter vs. 7Inch und Dexter vs. D-Fekt und Mr. Beef gegenüber. In drei sehr anspruchsvollen Battles gingen letztlich Fonty, V.Raeter und Dexter als Sieger hervor und standen dadurch als Finalteilnehmer fest. V.Raeter war darüber selbstverständlich erfreut, aber doch auch überrascht. Hatte er doch zuvor angekündigt, sich nur auf 2 Runde vorbereitet zu haben. Nach seinem Sieg ging’s für ihn direkt ab in denBackstage, wo er sich ein Finalset zusammenbastelte. In der Pause vor dem großen Finale wurde die Stage kurzzeitig zum Circus Maximus umgebaut und so gab es für die Besucher eine Morlockk Dilemma Show. Neben einem weiteren Vorgeschmack mit dem schönen Titel „Galgenberg“ von seinem kommenden Album, gab es eine kleine Theatereinlage zu „Assiklatsche“ mit Max von der Jägermeistergang. Beatfight mit Mic halt. Nun war das Publikum für das Finale passend eingestimmt. Auch in der dritten Runde lehnte sich Fonty mit seinem experimentellen Stil weit aus dem Fenster, so traf er doch mit V.Raeter und Dexter auf zwei modern-traditionelle Hip-Hop Produzenten, die beide eine ähnlich große Unterstützung im Publikum fanden. So verabschiedete sich die Jury mit einer leichten Publikumstendenz für V.Raeter in die Abstimmung. Es war keine einfache Entscheidung für die doch so erfahrene Jury. Nach einer langen Wartezeit verkündete Falk das Ergebnis der Jury, welches in einem Hip-Hop Kontext gefällt wurde. Dank seiner „spürbaren Leidenschaft für die Samplesuche und seiner geschichtsbewusste Handhabung“ ist Dexter der erste Gewinner des Beat Fights. Ein außerordentliches Lob gab es für Fonty, dessen vielseitiges Talent auch der Jury nicht entgangen ist. Insgesamt können die Veranstalter auf eine sehr interessantes, spannendes und vom Publikum gut angenommenes Programm zurückblicken und zuversichtlich in die Vorbereitungen für den nächsten BEAT FIGHT einsteigen. Alle Battles (inkl. Kurzinterviews mit den Producern) und ein ausführliches Interview mit der Jury und Morlockk Dilemma gibt es ab nächster Woche dann hier!

(Fotos: Sascha Ehlert & Daniel Adler)

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10 Antworten auf SAE Beat Fight 2011 [Kolumne]

  1. sly sagte am 2. Februar 2011 um 12:02 Uhr:

    War echt ein cooler Abend im großen und ganzen nur waren für mich(und die meistens im publikum) 2 entscheidungen der jury völlig unbegreiflich…Also suff daddy und brenk waren eindeutig weiter obwohl sie vielleicht leiser warn aber im gegensatz soul und leben in den beats hatten im vergleich zu dem klinisch toten zeug der anderen 2 herrschaften!Also ich denke wenn man an dem abend zum beispiel einen madlib hingestellt hätte der natürlich auch dirty und absolut nicht sauber klingt wäre der sicherlich auch gegen die “sterilen” producer ausgeschieden…Es wurden ab der zweiten runde überhaupt fast nur mehr elektro dinger gespielt aber ja sonst gelungenes event und props an dexter!

  2. ekrem sagte am 2. Februar 2011 um 12:41 Uhr:

    wär so gern dabei gewesen…

  3. Jagen sagte am 2. Februar 2011 um 13:36 Uhr:

    Ich möchte hier auch nochmal mein Fazit um Beatfight ablassen:
    Erstmal riesen Props an Mad-Flava, SPLASH-Mag und alle anderen die an der Organisation beteiligt waren. War eine richtig geile Veranstaltung, und eine gelungene Alternative zu den üblichen Hip-Hop-Konzerten und Parties wie man sie kennt. Hat einfach sau Bock gemacht.
    Etwas Kritik möchte ich allerdings auch loswerden:

    Als bereits im ersten Battle Suff Daddy gegen Fonty ausgeschied, war ich schon schwer enttäuscht. Für mich hätte Suffy das Ding nach Hause fahren müssen. Auch die spätere Begründung seitens der Jury (Falk u Roe Beardie) war für mich nicht wirklich nachvollziehbar. Fonty wurde ja ein grosses musikalisches Können bestätigt, und er wurde als Produzent für das “Out of the Box”-Denken gelobt. Sprich es wurde ausdrücklich positiv erwähnt, dass er keine direkten Hip-Hop-Beats schrauben würde (sinngemäßes Zitat: “bis Lady Gaga ist da alles drin”). Dem Ganzen würde ich auch sofort zustimmen, allerdings stellt sich hier die Frage, ist damit das Ziel eines Hip-Hop-Beatfights erreicht? Mit dieser Argumentation könnte man nämlich auch Stefan Raab in die Top 3 Beatbauer wählen. Den auch Raab ist ein super Produzent, nur halt eben nicht im Hip-Hop-Kontext. Dieser wurde an diesem Abend von der Jury meiner Meinung nach etwas zu sehr vernachlässigt.

    Dann noch ein Tipp für zukünftige Battles: verzichtet bei der Sample-Auswahl evt. auf “Flächen-Samples (langgezogene Chöre, Streicher und ähnliches)”. An diesem Abend zum Beispiel das Enya und das Isaac Hayes-Ding. Diese Samples kann man als Produzent kaum oder nur sehr schwer flippen bzw. choppen ohne den Sound dabei völlig zu verkorksen. Und die Dinger einfach zu loopen ist quasi auch aussichtlos, da es im Vergleich zu den zahlreichen Hip-Hop-Klassikern, die sich bereits dieser Breaks bedient haben, wenig innovativ erscheint. Mir persönlich ist das an dem Abend auch aufgefallen.

    Trotzdem möcht ich nochmal die ganze Veranstaltung loben, war nen schönes Ding auch mit der Plattenbörse vorher und dem ganzen Programm. Hat richtig Laune gemacht.

  4. treadmill sagte am 3. Februar 2011 um 19:05 Uhr:

    kleine korrektur zu der darstellung im text! beim battle kova gegen dead rabbit hat das publikum sehr wohl für kova gevotet und er kam auch völlig zu recht 4:1 weiter! auch den publikumspunkt gegen fonty konnte er für sich verbuchen, aber wurde von der jury letztendlich mit 2:3 stimmen nach hause geschickt!

  5. sean nice sagte am 4. Februar 2011 um 13:10 Uhr:

    gute veranstaltung, hatte einen hammer abend.
    nächstes mal sollte man aber nur das publikum entscheiden lassen (so wie man das bei battles halt macht), und nicht 4 alternde herren die ihre besten zeiten hinter sich haben.
    wie ich hier lese bin ich nicht der einzige, der von der jury enttäuscht war.

    nehmt euch mal ein beispiel an den amerikanischen red bull producer battles, wie z.b. hier in los angeles und chicago:
    http://www.youtube.com/watch?v=nHvnPTd36Qo
    http://www.youtube.com/watch?v=nHvnPTd36Qo

  6. sean nice sagte am 4. Februar 2011 um 13:12 Uhr:
  7. Rob sagte am 10. Februar 2011 um 19:21 Uhr:

    ich hab mir jetzt mal diese vids zum red bull battle angeguckt, aber da ist doch der beat fight viel nicer aufgezogen worden! plus die beats warn besser!

  8. dieter b. sagte am 11. Februar 2011 um 17:37 Uhr:

    also ich finde es sehr schön, dass es einen beatfight auch in deutschland gibt! allerdings finde ich, dass die jury viel zu viel einfluß auf das weiterkommen hatte. das publikum sollte mindestens 70% der Stimmen, wenn nicht sogar 100% ausmachen. ganz klar muss ich auch die begründungen zu fonty kritisieren. für meinen geschmack waren das kalte/tote neumodische ami”rap”-beats, die mensch zwar in den hip-hop kontext einordnen kann, aber eigentlich gehört für mich sowas zu lil wayne und dem ganzen ami chart shiat.

    MACHT EUCH GEDANKEN DARÜBER, OB DIE DEUTSCHE SZENE NICHT SCHON WIEDER NUR EIN BILLIGER AMY ABKLATSCH WIRD!!

    Viele Amerikanische Künstler schätzen die europäische szene doch sehr für ihre individualität. Mit Dex und V.Raeter sind ja auch mit gutem beispiel vorangegangen. Aber fonty—- da fehlen mir die worte bei so einer begründung…billig-digital-Synthie gedöns…

  9. Jan sagte am 15. Februar 2011 um 02:03 Uhr:

    also ich begrüße die Entscheidung der Jury Fonty weiter zu lassen. Der hatte einfach paar bretter am Start und ich finde die aussage:
    “MACHT EUCH GEDANKEN DARÜBER, OB DIE DEUTSCHE SZENE NICHT SCHON WIEDER NUR EIN BILLIGER AMY ABKLATSCH WIRD!!” ziemlich überflüssig, da ja gerade produzenten die chance haben sich als internationale Künstler zu zeigen. Zudem hieße dies ja im Gegenzug das samplelastige beats jetzt deutsch sind!?!
    und da sehe ich auch ein problem nur dem Publikum die Abstimmung zu überlassen weil ich glaube das is so ein traditionalisten ding und die Sympathien eh schon von vorneherein verteilt sind. aber brenk hats ja schon gesagt
    is eh alles cool

  10. Pingback: DON’T SLEEP: Dexter “Gimme No More (Psycho Theme)” [SINGLE] « FWMJ's Producers I Know

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