
An Freitag, dem 11.11.2011 kommt “Aura” in die Läden. Es ist erst das dritte Solo-Album unsres Rap-Königs, Kool Savas. Wie es sich für ein mit einer solchen Erwartungshaltung behaftetes Projekt gehört, gab es im Vorfeld nicht viel zu hören. Der Titel-Track, ein Video-Teaser und eine Listening Session. Erst in den letzten Wochen vor Release lud das Managment von Kool Savas ausgewählte Medien zum Probehören des geheimnisvoll beworbenen Projektes ein. Bei einer Tasse Tee durfte unser Autor Sascha Ehlert das erste mal in das angekündigte Opus Magnum des King Of Rap komplett reinhören. Die ersten Höreindrücke lest ihr hier exklusiv einen Tag vor der Veröffentlichung.
1) Interlude:
“Aura” beginnt mit einem Interlude, den man auf einem solchen Projekt erwartet. Orchestral, choral, bombastisch.
2) Intro/ Der letzte meiner Gattung:
Der Heiland ist hier! Ja, so stellt man sich ein typisches Intro des King Of Rap vor. Über einen Beat von DJ Smooth, an dem alles darauf hinweisen soll, mit welch wichtigem Projekt man es hier zu tun hat, macht Savas das, was er schon immer am Besten konnte. Rappen auf einem technischen Niveau, auf dem ihm in Deutschland nur wenige das Wasser reichen können.
3) Und dann kam Essah:
Die perfekte Live-Hymne. Auf einem sich langsam aufbauenden Instrumental von Melbeatz rekapituliert Essah seine Karriere. Von der Entscheidung für Rap und gegen die Schule und dem Drumcomputer auf dem Schoß, hin zum ersten Mal auf dem splash! und lustigen Abenden mit seinen Jugendhelden MC Eiht und Too $hort in Kalifornien.
4) Aura:
Auf der ersten Single des Langspielers begibt sich Savas erneut in den Highlander-Modus. “König Essah” macht mit dem Mic in der Hand Filmmusik für den Kopf. Auf einem überlebensgroßen, orchestralen Instrumental, dass sich in einem Score von Hans Zimmer ganz offensichtlich ähnlich gut machen würde. Es wird nicht der letzte Beat dieser Art bleiben.
5) Nie Mehr gehen:
Auf “Nie Mehr gehen” wird der epische Beat-Bombast das erste mal bei Seite gelegt und durch ein modernes Uptempo-Instrumental, das beim ersten Hören leichte Erinnerungen an Drakes “Headlines” weckt, ersetzt. Die gesungene Hook klingt einen Tick zu überzuckert, dafür ist der Song textlich eine sehr gelungene Reflektion über das Schreiben von Texten (“Fühle mich unsterblich, wenn ich Texte schreibe”) und die Beziehung von Musiker und Hörer (“Klammer mich fest in deinem Herzen wie die erste Liebe”).
6) Nichts bleibt mehr feat. Scala Chor
Ganz klar. Der Einsatz des aus Rundfunk und Fernsehen bekannten Scala Chors und eine Cover-Version eines Songs der erfolgreichen Mitteralter-Romantik-Band Saltatio Mortis klingt schon sehr nach Kitsch. Und auch die lyrischen Fässer, die Savas auf diesem Song aufmacht, sind ziemlich große. Mit bedeutungsschwangeren Wörtern (“Asche”, “Krieg”, “Liebe”) und einem auf türkisch eingesprochenen Gedicht seines Vaters schafft er es aber eine ungewohnt melancholische und trotzdem kämpferische Stimmung zu erzeugen, die überrascht und überzeugt.
7) Optimale Nutzung unserer Ressourcen
Direkt im Anschluss folgt als größtmöglicher Gegenpol ein klassischer Savas-Battle-Track. Auf einem hervorragenden 808-Beat spuckt Essah Feuer und Galle, “macht aus Rappern Obstsalat” und stellt zu guter letzt klar, dass er “lieber toter Rapper als singender Songwriter” sein möchte. Ansage. Punchline.
8 ) Die Stimme
Über diesen Song hat Savas bereits im Vorfeld öfter gesprochen. “Die Stimme” erzählt von einer Zeit in der er weder King noch Kool war. Mit der höchsten Stimme seiner Klasse klang er noch mit vierzehn eher wie ein Mädchen, sagt er. Doch “dann kamen Ad-Rock und Eazy” und der kleine Savas erkannte seine Bestimmung. Erneut setzt sich die Hook direkt im Ohr fest, erneut klingt Savas motiviert und leidenschaftlich wie lange nicht mehr.
9) Stampf
Einen schönen Uptempo-Brecher, den Melbeatz und Baz da hingelegt haben. Wie bereits nach “Nichts bleibt mehr” folgt auf einen introperspektiven Song erneut rastloser Rap-Rap mit SAV-typischen Lines wie “Rasier den Markt, nenn mich Rasenmäher”. *Schmunzel*
10) King of Rap | Ein Wunder
Das instrumentale Highlight des Albums. Ein im Vergleich zu den ersten Songs minimalistischer South-Stampfer mit großartigen Drums und “The Message”-Anleihen im Hook-Bereich. Dazu mimt Essah mit Cyborg-Stimme den Grandmaster Flash der Zukunft. Inhaltlich ganz klar keine Revolution, obwohl Savas zum Beispiel als Tribut an Serien-Antiheld Dexter deinen Schädel nutzt, um ein Blutbild an die Wand zu malen. Trotzdem einer der besten Songs des Albums.
11) Echo feat. Olli Banjo
Das Fazit dieses Songs fällt wie erwartet aus. Savas und Banjo sind natürlich die besten MCs des Landes – “so wie Em und Royce”. Das dürfen sie aber auch behaupten. Ansonsten wird an der Drama-Schraube gedreht und gerappt, bis das Flow-Thermometer durch die Decke schießt.
12) LMS 2012 präsentiert von Xavier Naidoo & Kool Savas
Das wurde ja bereits im Vorfeld aufgeklärt, aber noch einmal für alle, die die letzten Wochen im Urlaub waren. Nein, Xavier Naidoo möchte natürlich nicht, dass ihr seinen Peter leckt. “LMS” Steht hier für Last Man Standing. Schade, aber dafür singt der Liebling aller deutschen Schwiegermütter erstaunlicherweise auf Englisch und, noch erstaunlicher, hier eher wie ein US-amerikanischer R’n'B-Charmeur. Weniger Pathos, mehr Soul – eine gute Sache. Erneut kehrt das Bild des Highlanders wieder, der alleine und einsam an der Spitze der Welt sitzt. Dann rappt Savas in Beinahe-Lichtgeschwindigkeit einen Vers und Xavier singt nochmal. Danach ist Schluss und eine knappe Dreiviertelstunde beste Rap-Unterhaltung für Rap-Fans geht zu Ende. Wo war nochmal der (Re-) Play-Knopf?
LINK: splash! Mag Video-Interview Kool Savas

Text: Sascha Ehlert




Pingback: Kool Savas – Aura [Video] | splash! Magazin
Article writing is also a fun, if you know then
you can write if not it is difficult to write.