Review Round #22 [Amewu x Joey Bada$$]

Zur Zeit kommt ‘ne Menge auf den Markt und wir picken uns für euch mal wieder die Rosinen raus und schauen, ob sie wirklich so süß schmecken wie angepriesen. Ein deutscher Philosoph mit Technik trifft diesen Sonntag in der Review Round auf einen der vielversprechendsten Newcomer des Jahres.

Amewu – Leidkultur
Seit seinem ersten richtigen Album “Entwicklungshilfe” sollte klar sein, dass Amewu nicht nur ein Händchen für schöne Beats und ausgefeilte Reime, sondern vor Allem für perfektionierte Flows und unbequeme Themen hat. Leidkultur ist vieles, aber vor allem ist es unbequem. Mit Songs über Lebensmüdigkeit, die Verkommenheit der Menschheit und die eigenen scheinbar unüberwindbaren Hürden ist “Leidkultur” weder leichte Kost, noch das Sommeralbum für Zwischendurch. Aber wer sich hinsetzt und die melodischen Songs an- und nicht nur überhört, der wird mit einer Begegnung mit dem inflationär genannten aber selten gesehenen Gevatter “Flash” belohnt. So on point und gleichzeitig um die Ecke, so traurig und gleichzeitig so kraftvoll, so deep und doch so Doubletime – Amewu kommt der Bezeichnung des “kompletten MCs” näher als sonst jemand in Deutschland zur Zeit.

Text: Axel Genz

Joey Bada$$ – 1999
Joey Bada$$
ist 17 Jahre jung. Er hat in jener Zeit angefangen Musik zu machen, als seine Heimat New York seine einstige Vormachtstellung schon längst an Atlanta, New Orleans und Houston abgegeben hatte. Als Joey irgendwann gelangweilt von dem war, was ihm Mainstream-Institutionen wie Hot 97 und BET als HipHop präsentierten, kam ihm die Musik von Biggie und Nas in die Finger. Nur wenige Jahre später gelten dieser Junge und seine Crew The Progressive Era als vielleicht letzte freshe Hoffnungsträger des Boombapsounds der New Yorker Vergangenheit. Auf Joey können sich sowohl die Retro-Fans als auch die urbanen Trend-Kids einigen. Die einen freuen sich über zurückgelehnte Neunziger-Flows, sowie stilsicher und klischeefrei gepickte Beats aus den Archiven von MF DOOM, Lewis Parker, Lord Finesse und J Dilla. Die anderen verlieben sich mit “1999” in Joey, weil seine Texte ein Lebensgefühl vermitteln, dass an den “Teenage Angst”-Klassiker Kids erinnert. Lebendig, locker und (ganz wichtig) cool erzählt Joey uns von ganz normalen Dingen: Schönen Mädchen, großen Doobies und verschwendeten Nachmittagen im Park. So schön hat schon lange niemand mehr das Lebensgefühl von uns Großstadtkids in Musik festgehalten (auch nicht Mac Miller).


Text: Sascha Ehlert 

Kategorien: Review

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